Dunning-Kruger-Effekt und warum Studierende ihre Prüfungsleistung falsch einschätzen


Jugendlicher mit Brille liest nachdenklich ein Buch vor einem Bücherregal.
Inhaltsverzeichnis
  1. Dunning-Kruger-Effekt und warum Studierende ihre Prüfungsleistung falsch einschätzen
  2. Was versteht man unter dem Dunning-Kruger-Effekt
  3. Reale Beispiele für den Dunning-Kruger-Effekt im Alltag
  4. Wie Studierende ihre Noten vorhersagen
  5. Warum die Selbsteinschätzung scheitert
  6. Wie Studierende ihre Selbsteinschätzung verbessern können

In Prüfungen passieren Fehler – das ist völlig normal. Interessant ist dabei, dass viele Studierende sich nicht nur in den Antworten irren, sondern auch in ihren Erwartungen. Wenn man sich mit einem Thema nicht gut auskennt, überschätzt man sich oft ganz ehrlich. Man hat das Gefühl, es lief besser, als es wirklich war. Umgekehrt passiert bei starken Studierenden oft das Gegenteil. Sie zweifeln an sich, obwohl ihre Ergebnisse sehr gut sind. Diese Verschiebung zwischen dem eigenen Gefühl und der tatsächlichen Leistung nennt man den Dunning-Kruger-Effekt.

Was versteht man unter dem Dunning-Kruger-Effekt

Der Dunning-Kruger-Effekt zeigt sich im Studium besonders deutlich. In Tests und Prüfungen erwarten leistungsschwächere Studierende meist bessere Noten, als sie am Ende erhalten. Leistungsstarke Studierende schätzen sich dagegen oft vorsichtiger ein, als es ihr tatsächliches Ergebnis nahelegt. Der Kern des Effekts ist einfach:
 
  1. Menschen mit geringer Kompetenz überschätzen sich häufig.
  2. Menschen mit hoher Kompetenz zweifeln eher an sich und schätzen ihre Fähigkeiten zu niedrig ein.
Das bedeutet nicht, dass jemand „schlecht“ oder „gut“ ist. Ohne präzises Feedback ist es schlicht schwer, die eigenen Grenzen zu erkennen.
 

Reale Beispiele für den Dunning-Kruger-Effekt im Alltag

Der Dunning-Kruger-Effekt zeigt sich nicht nur bei Prüfungen oder im Studium. Du begegnest ihm auch im Alltag. Vor allem dann, wenn etwas auf den ersten Blick simpel wirkt, in Wirklichkeit aber komplex ist.

Ein gutes Beispiel dafür sind Online-Spiele. Anfänger:innen gehen häufig davon aus, die Spielmechaniken und Wahrscheinlichkeiten schnell verstanden zu haben. Diese anfängliche Selbstüberschätzung führt dazu, dass Risiken unterschätzt und Entscheidungen zu früh getroffen werden. Erfahrenere Nutzer:innen verhalten sich dagegen deutlich vorsichtiger. Du informierst dich genauer, liest Bewertungen und nutzt einfache Einstiegsangebote wie einen Bonus ohne Einzahlung. So kannst du Abläufe kennenlernen, ohne direkt eigenes Geld einzusetzen.

In diesem Kontext dient ein Bonus ohne Einzahlung nicht als Gewinnversprechen, sondern als Lerninstrument. Er erlaubt es, Spielregeln, Auszahlungsbedingungen und Zufallselemente zu beobachten, ohne das eigene Urteilsvermögen zu überschätzen. Genau hier zeigt sich der Kern des Dunning-Kruger-Effekts: Mit wachsender Erfahrung nimmt die Sicherheit im Umgang mit dem System zu, während die anfängliche Überschätzung abnimmt.
 

Wie Studierende ihre Noten vorhersagen

Um den Dunning-Kruger-Effekt zu untersuchen, stellt man Studierenden meist zwei einfache Fragen: Welche Note erwartest du? Wie sicher bist du dir bei dieser Einschätzung? Nach der Prüfung vergleicht man die Antworten mit dem tatsächlichen Ergebnis. Das Bild wiederholt sich von Kurs zu Kurs. Meist erkennt man drei Gruppen:
 
  1. Die leistungsschwächere Gruppe: überschätzt ihre Note konstant, bei hoher subjektiver Sicherheit.
  2. Die mittlere Gruppe: Vorhersagen stimmen ungefähr mit dem Ergebnis überein.
Selbst wenn Studierende die typischen Aufgaben bereits aus früheren Tests kennen, bleiben die Unterschiede bestehen. Einige leistungsschwache Studierende hoffen weiter auf „eine gute Note“, obwohl frühere Ergebnisse ihren Optimismus eigentlich dämpfen sollten. Leistungsstarke Studierende behalten dagegen ihren Perfektionismus im Kopf, erinnern sich an schwierige Aufgaben und gehen bei der Selbsteinschätzung lieber auf Nummer sicher.
 

Warum die Selbsteinschätzung scheitert

Fehler in der Selbsteinschätzung sind kein Zufall. Dahinter stehen mehrere typische Denkgewohnheiten:
 
  1. Schwache metakognitive Fähigkeiten. Viele Studierende verwechseln Vertrautheit mit tatsächlichem Verständnis. Ein Text wirkt beim Lesen klar, Formeln und Begriffe erscheinen vertraut – doch ohne eigene Wiedergabe bleiben sie nicht abrufbar. Ohne Selbsttests merkt man diese Lücke kaum.
  2. Psychologische Faktoren: Angst, den eigenen Lernstand einzugestehen, sozialer Druck oder die hartnäckige Orientierung an einer „Wunschnote“ statt einer realistischen. Optimismus ist nicht grundsätzlich schlecht, kann aber Fakten leicht überdecken.
Neben diesen Gewohnheiten gibt es auch technische Aspekte. Jede Bewertungsskala hat Grenzen. Am unteren Ende überschätzt man sich leichter, am oberen unterschätzt man sich schneller. Einige Fehler sind dadurch unvermeidlich. Sichtbar wird der Dunning-Kruger-Effekt jedoch vor allem durch die ungenaue Wahrnehmung der eigenen Kenntnisse – nicht nur durch die Skalenlogik.

Da die Forschung zum Dunning-Kruger-Effekt weiterläuft, tauchen regelmäßig neue Befunde auf. Typische Beobachtungen sind:
 
  1. Ein Teil der leistungsschwachen Studierenden korrigiert seine Erwartungen kaum, selbst nach mehreren niedrigen Noten.
  2. Ein Teil der leistungsstarken Studierenden nähert seine Prognosen mit der Zeit dem tatsächlichen Niveau an, wenn sich die eigene Stabilität zeigt.
  3. Die ungenauesten Vorhersagen gehen gelegentlich mit der höchsten Selbstsicherheit einher.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Zusammenhang zwischen dem Dunning-Kruger-Effekt und Lernstrategien. Wer sich zu Beginn eines Kurses falsch einschätzt, nutzt hilfreiche Methoden seltener – etwa Probetests, Lernplanung oder Fehleranalysen.
 

Wie Studierende ihre Selbsteinschätzung verbessern können

Der Dunning-Kruger-Effekt ist kein Urteil über eine Person, sondern ein Merkmal unseres Denkens. Man kann jedoch lernen, sich realistischer einzuschätzen – und anderen beibringen, es ebenfalls zu tun. Das funktioniert sowohl auf Kursebene als auch im persönlichen Alltag. Was Studierende selbst tun können:
 
  1. Vor jeder Prüfung ehrlich eine erwartete Note aufschreiben;
  2. Nach der Rückgabe Prognose und Ergebnis vergleichen und überlegen, warum es dazu kam;
  3. Mehrere Übungsaufgaben „ohne Spicken“ lösen;
  4. Schwierige Themen laut oder einer anderen Person erklären – so erkennt man schnell die Lücken.
Es hilft, eine präzise Selbsteinschätzung als eigene Fähigkeit zu betrachten. Sie entsteht nicht von selbst, sondern bildet sich allmählich, wenn man Erwartungen regelmäßig mit den Fakten abgleicht. Wer seine Noten nicht als Etiketten betrachtet, sondern als Information über den tatsächlichen Lernstand, erlebt den Dunning-Kruger-Effekt weniger stark.